Resonanz - Begegnung mit dem eigenen Pferd


Mein Name ist Marion
Als Petra mich bat, kurz etwas dazu zu schreiben, warum wir miteinander arbeiten, wusste ich zunächst nicht, was ich schreiben soll. Spontan sagt man natürlich immer, „na weil es mir Spaß macht“. Aber ist Spaß der einzige Faktor?
Als ich Petra vor rund 17 Jahren kennenlernte, war ich noch sehr jung und die Entscheidung, mit ihr und meiner damals sehr dominanten Stute zu arbeiten, wurde mir von meinen Eltern abgenommen – entweder Petra oder das Pferd wird verkauft. Also machte ich mit. Aufgrund meiner jugendlichen Unreife und fehlendem Verständnis für eine andere Art des Umgangs mit einem Pferd in einem Dressurstall, trennten sich unsere Wege allerdings nach nur zwei Jahren wieder. Meine Stute und ich bestritten unseren Weg im Turniersport; zwar recht erfolgreich, jedoch immer etwas anders als all die anderen Reiter, denn was ist schon ein Dressurreiter mit zu langen Zügeln?!
Anfang 2003 wechselte ich nicht nur den Reitstall, sondern auch meine Einstellung zum Reiten als Sport. Doch was nun?! Petra kam mir in den Sinn, doch ihre Telefonnummer hatte ich längst nicht mehr. Durch einen glücklichen Zufall bekam ich jedoch sowohl diese als auch eine stetige Begleiterin, die uns seit nunmehr zehn Jahren regelmäßig aus unserem Alltagstrott herausholt. Mit viel Humor und Energie vermittelt sie uns einen Umgang miteinander fernab von „richtig und falsch“, der mir nicht nur mit meiner Stute, sondern auch in anderen Bereichen des Lebens neue Wege aufzeigt.

Resonanz - Begegnung mit dem eigenen Pferd


Mein Name ist Barbara
Als Prinzessin auf einem tollen Pferd über Wälder und Wiesen galoppieren – welches Mädchen träumt nicht davon? Inzwischen bin ich 46 Jahre alt und habe seit einem halben Jahr ein eigenes Pferd. Und was ist aus dem Traum geworden? Ich habe zwar Reiten gelernt, wie man es heutzutage üblicherweise lernt, aber der Traum fand durch zwei Stürze ein jähes Ende. Er hatte keine Grundlage.
Denn das wichtigste im Umgang mit Pferden hatte ich bis dahin nicht gelernt: die Kommunikation.

Ich bin sehr dankbar, dass ich Petra Schwarz getroffen habe. Mit ihr arbeite ich regelmäßig auf genau dieser Basis – Grundlagen der Beziehung zwischen Mensch und Pferd sowie Kommunikation mit Hilfe der Körpersprache.

Wer führt, ich oder das Pferd? Dabei geht es nicht um Gewalt, sondern um innere Stärke. Es geht um Wahrnehmen ohne Wertung, es geht darum, in jeder Minute präsent zu sein, so wie ich bin, einfach authentisch zu sein. Dabei ist ein Pferd ein guter Lehrmeister, denn es ist zu jeder Zeit authentisch und spiegelt mich. Auf die Signale, die ich, ob nun bewusst oder unbewusst, aussende, reagiert mein Pferd. Ich kann daran erkennen, wie klar ich mich ausdrücke. Vielleicht sage ich das eine, mein Körper drückt aber genau das Gegenteil aus. Das Pferd reagiert immer auf den Körper. Petra erklärt mir die Zusammenhänge und hilft mir, mich selbst in den verschiedenen Situationen zu erkennen.
Für uns Menschen hat die nonverbale Kommunikation ebenfalls einen enormen Stellenwert. Übrigens, eine klare Ansage, verbal und nonverbal, hilft auch im Umgang mit Menschen, insbesondere mit Kindern.

Eine gute Zusammenarbeit ergibt sich immer dann, wenn ich die Aufgabenstellung klar ausdrücke, schaue, was mein Pferd macht, korrigiere und im richtigen Moment lobe. Es ist zwar erst ein bisschen anstrengend, aber es macht sehr viel Spaß. Am Ende dieser Arbeit steht ein zufriedenes Pferd, das mir folgt, weil es mir durch meine Klarheit und Präsenz sein Vertrauen schenkt. 

 So habe ich inzwischen viel gelernt über mich, und vielleicht galoppiere ich ja eines Tages doch noch über eine Wiese, nicht mit scharfem Gebiss sondern als Team – mein Pferd und ich.

Resonanz - Begegnung mit dem Pferd


Ich erkrankte vor vielen Jahren an Magersucht – Anorexie

Ich begann eine Psychotherapie, es folgten sehr viele Klinikaufenthalte.
Doch ich hielt sehr lange an der Krankheit fest. Ich glaubte,  darüber Halt, Sicherheit, Geborgenheit und das Gefühl von Stärke und Kontrolle zu bekommen. Es gab keine Gewichtsgrenze nach unten, ich fühlte mich immer zu fett, auch wenn nichts mehr an mir dran war und ich mich  kaum noch auf den Beinen halten konnte.

Das Tückische an dieser Erkrankung ist, dass ich einen starken Drang hatte,  immer weiter abnehmen zu müssen, weil ich glaubte, darüber endlich die Aufmerksamkeit, Anerkennung und Bestätigung „von richtig sein“ zu bekommen.  Als ich dann zunahm, konnte ich mit mir und meinem Körper überhaupt nicht umgehen. – Ich fing an, mich (meinen Körper) zu zerstören, auf eine andere Art als beim Abnehmen.
Es geht immer nur um den Körper, dass ich ihn anfühle und wie ich ihn fühle, Scham ist mein ständiger Begleiter. Im Laufe der Zeit merkte ich, dass für mich der richtige Weg nur über die Erfahrung über meinem Körper sein kann. Ich wusste, dass ich etwas machen musste, außerhalb von Reden oder mentalem Verstehen.
Ich glaube, dass ich Bücher schreiben könnte über Anorexie, aber mein Problem, welches ich mit meinem Körper, dem Hier sein auf dieser Erde habe, konnte ich nur zum Teil auf der mentalen Ebene für mich klären.
Mit einiger Unterstützung entschied ich mich dann für das Reiten, in der Hoffnung, ein Gefühl für mich zu bekommen. – Als ich mich dann für eine Therapie mit dem Pferd entschieden hatte, war ich sehr gespannt, was da auf mich zukommen würde.
Anfangs war Kontakt- oder Beziehungsaufbau, Bürsten, Streicheln oder an der Leine führen. Das Bürsten fiel mir nicht so schwer, aber die Kontaktaufnahme z.B. durch Streicheln an den unterschiedlichsten Stellen des Pferdekörpers, oder wenn das Pferd meine Hand leckte, forderte mich sehr stark heraus, denn diese  Art von Kontakt war mir fremd. – Ich fühlte meine Unsicherheit und Zurückhaltung.
Der Körper des Tieres war für mich fremd. Die Wärme, die Sanftheit, die Selbstverständlichkeit und die Kraft, die von ihm ausgingen, waren  etwas Unvertrautes und in vielen Momenten schwer auszuhalten – Ich war oft wie gelähmt, das Gefühl von Scham und das Fremdheitsgefühl von Berührung war lange Zeit ein Begleiter, auch heute sind diese Gefühle noch vorhanden, nur haben sie eine andere Auswirkung.

Ich merkte sehr schnell, wie sensibel und aufmerksam das Pferd im Umgang mit mir ist.
Es spricht in einer ganz bestimmten Art und Weise meine Gefühle an.
Ihm zusehen zu dürfen, wie es im Moment lebt und nicht in irgendwelchen Geschichten aus der Vergangenheit oder mit Spekulationen über die Zukunft oder das In-Frage-Stellen von Entscheidungen, ließen mich eine ungeahnte Möglichkeit und Leichtigkeit spüren.

Die Begegnung mit dem Pferd berührt jedes Mal meine Seele von neuem z. B. wenn Sally ihren Apfel genüsslich schmatzte und ihr der Saft nur so aus dem Maul tropfte. Es sind intensive Momente, geprägt von Unsicherheit, Lebendigkeit, Freude, Nähe, Trauer, Schmerz und Spaß.

Mir wurde schnell klar, was ich hier zu lernen hatte: Den Mut, neue Erfahrungen zu machen, sowie mir meiner Geschichten bewußt zu machen. Pferde sind immer im “Jetzt”.
Ich freue mich über jeden neuen Schritt, den ich mache. Ja, ich habe viel über mich von den Pferden gelernt.